Kolonialwaren?

Unter Kolonialwaren verstand man früher Lebens- und Genussmittel aus Übersee: Kaffee, Tee, Kakao, Reis, Gewürze und vieles mehr. Genau diese Waren kann man auch im Weltladen Alte Kirche kaufen. Ist der Weltladen also Nachfolger des Kolonialwarenladens?

Kolonien

Deutsche Kolonien

Dass auch Deutschland Kolonien besaß, ist vielen erst kürzlich wieder zu Bewusstein gekommen. Parlamentspräsident Norbert Lammert gestand im Juli 2015 öffentlich ein, dass der Feldzug gegen die aufständischen Herero und Nama ein Völkermord gewesen sei.

Zwar liegt das Ende der Kolonialzeit für Deutschland länger zurück als für England oder Frankreich. Doch auch die deutschen Verbrechen der Kolonialzeit sind noch längst nicht aufgearbeitet …

Waren aus Übersee, das bedeutete für viele europäische Staaten Produkte aus den eigenen überseeischen Besitzungen den Kolonien. Denn genau dazu waren Kolonien da: Um die Wirtschaft der Kolonialherren sicher und billig mit Rohstoffen zu versorgen, die ansonsten teuer auf dem Weltmarkt hätten eingekauft werden müssen. Am Ende gar von „Feinden“. Streng genommen gibt es daher seit dem Ende des ersten Weltkriegs in Deutschland keine Kolonialwaren mehr. Denn im Versailler Vertrag von 1919 verlor Deutschland seine Kolonien.

Aus diesem Grund verschwand das Wort „Kolonialwaren“ aus dem Sprachgebrauch und wurde zum „bedrohten Wort“ (Bodo Mrozek) mit nostalgischem Klang. Der Kontakt von Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung geriet in Vergessenheit.

Ungerechte Weltwirtschaft und fairer Handel

Aber die ungerechten und ausbeuterischen Handelsstrukturen der Kolonialzeit bestehen vielfach noch fort. Und genau hier setzt der faire Handel an. Fair gehandelte Waren sind von ihrer Herkunft her Kolonalwaren. Die Idee des fairen Handels ist aber gerade, die in der Kolonialzeit grundgelegten und weiterhin wirksamen ungerechten Handelsstrukturen durch gerechtere zu ersetzen – zumindest zeichenhaft. Seine Botschaft lautet: Eine andere Wirtschaft ohne Ausbeutung und Ungerechtigkeit ist möglich.